Zentralchina (VImage 4.1) ©Dr.-Ing. Rolf Böhm, Bad Schandau
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Mercator-Medaille

Die DGfK zeichnet mit der Verleihung der Mercator-Medaille Persönlichkeiten aus, die sich durch herausragende, international anerkannte wissenschaftliche Leistungen außerordentliche Verdienste um die Kartographie erworben haben. Die Verleihung ist nicht an eine Mitgliedschaft in der DGfK gebunden.

Träger und Trägerinnen der Mercator-Medaille:
1991 Günter Hake
1993 Jaques Bertin
2004 Ulrich Freitag
2004 Ingrid Kretschmer

Am 13. Oktober 2004 überreichte der Präsident der DGfK, Dr. Peter Aschenberner im Rahmen der feierlichen Eröffnungsveranstaltung zum 52. Deutschen Kartographentag in Stuttgart Frau Univ.-Prof. Dr. Ingrid Kretschmer, Wien, die Mercator-Medaille. Hochachtung vor der wissenschaftlichen Arbeit der Geehrten und Würdigung ihres jahrzehntelangen Wirkens für die internationale Kartographie standen im Mittelpunkt des Urkundentextes:

Prof. Dr. Ingrid Kretschmer ist es gelungen, durch ihren unermüdlichen Einsatz in kartographischer Forschung und Lehre, durch Fachkolloquien und große Kartenausstellungen Wien zu einem Mittelpunkt der internationalen Kartographie zu machen. Von besonderer Bedeutung war ihre Förderung der wegweisenden und umfangreichen "Enzyklopädie der Kartographie", zu der sie selbst – gemeinsam mit österreichischen Kollegen – mit äußerst umfangreichen, innovativen Bänden zur topographischen Kartographie und vor allem zur historischen Kartographie beigetragen hat. Das zweibändige "Lexikon zur Geschichte der Kartographie" ist weltweit das erste seiner Art und gehört inzwischen zur Standardliteratur. Durch vielseitige Aufsätze und zahlreiche Vorträge auf internationalen Konferenzen und Seminaren hat Ingrid Kretschmer unverzichtbare Beiträge geleistet, die Geschichte der Kartographie aufzuarbeiten und auf eine wissenschaftlich gesicherte Basis zu stellen. Neben diesen Schwerpunkten wirkte sie als Herausgeberin und Verfasserin von Schriftenreihen, Monographien und zahlreichen Aufsatzveröffentlichungen. So ist es Ingrid Kretschmer durch ihren Einsatz gelungen, die Konzepte und die Entwicklung der österreichischen Kartographie international bekannt zu machen.

Ingrid Kretschmer wurde 1939 in Linz an der Donau geboren. Sie begann 1959 ihr Studium der Geographie und Ethnologie an der Universität Wien, wo sich schon früh Verbindungen zur Kartographie ergaben. Bereits 1965 promovierte sie zum Dr. phil. mit einer Arbeit zur thematischen Karte als wissenschaftliche Aussageform der Volkskunde. 1966 holte Professor Erik Arnberger die junge Wissenschaftlerin als Universitätsassistentin an die neu geschaffene Professur für Geographie und Kartographie der Universität Wien. 1974 erfolgte die Habilitation für das Fach "Geographie mit besonderer Berücksichtigung der Kartographie", und ab 1975 war Ingrid Kretschmer Dozentin für Kartographie. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie bereits über dreißig Veröffentlichungen zur Kartographie vorweisen. Redaktions- und Entwurfsarbeiten für den Österreichischen Volkskundeatlas beschäftigten sie intensiv von 1966 bis 1981.

1975 erschien in der Enzyklopädie "Die Kartographie und ihre Randgebiete" das zweibändige Werk "Wesen und Aufgaben der Kartographie – Topographische Karten" von Erik Arnberger und Ingrid Kretschmer; heute noch ein wichtiges Nachschlagewerk. Ein Ergebnis ihrer Zuwendung zur Geschichte der Kartographie war das "Lexikon zur Geschichte der Kartographie", das sie – gemeinsam mit Johannes Dörflinger und Franz Wawrik – 1986 in Wien herausbrachte.

1988 wurde Ingrid Kretschmer zur Universitätsprofessorin ernannt. Seit 1993 ist sie "Member of Board of Directors of Imago Mundi, The International Journal for the History of Cartography". Gemeinsam mit den Mitautoren des "Lexikon zur Geschichte der Kartographie" richtete Ingrid Kretschmer 1995 die "16th International Conference on the History of Cartography” in Wien aus. Hierzu erschien im selben Jahr das Buchwerk "Atlantes Austriaci" in zwei Bänden und drei Teilen als kommentierter Katalog der österreichischen Atlanten ab 1561 (gemeinsam mit Johannes Dörflinger).

Von 1995 bis 2008 war Ingrid Kretschmer Vorsitzende der Kartographischen Kommission in der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, von 1997 bis 2006 war sie Präsidentin dieser altehrwürdigen Gesellschaft, danach deren Ehrenpräsidentin. Von 2003 bis 2010 war sie Mitglied des Editorial Board der Kartographischen Nachrichten. Ingrid Kretschmer hat mehr als 250 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht und zahlreiche Vorträge gehalten. Auf internationalen Fachkongressen repräsentiert sie die Kartographie aus Österreich.

Auch in ihrem Ruhestand ab 2004 hat sie noch über viele Jahre Lehraufträge für Schulkartographie und Geschichte der Kartographie wahrgenommen.

Am 22. Januar 2011 ist Ingrid Kretschmer in Linz gestorben.

Text: Zusammengestellt nach Beiträgen aus den Kartographischen Nachrichten.

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2009 Mark Monmonier
2013 Ernst Spiess
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© Deutsche Gesellschaft für Kartographie