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Mercator-Medaille

Die DGfK zeichnet mit der Verleihung der Mercator-Medaille Persönlichkeiten aus, die sich durch herausragende, international anerkannte wissenschaftliche Leistungen außerordentliche Verdienste um die Kartographie erworben haben. Die Verleihung ist nicht an eine Mitgliedschaft in der DGfK gebunden.

Träger und Trägerinnen der Mercator-Medaille:
1991 Günter Hake

Im Rahmen des Deutschen Kartographentages 1991 in Hannover verlieh der Präsident der DGfK, Prof. Dr. Ulrich Freitag, die von der Deutschen Gesellschaft für Kartographie gestiftete Mercator-Medaille an Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. h.c. Günter Hake. Mit der Verleihung würdigte die DGfK seine hervorragenden Leistungen in Forschung und Lehre.

Günter Hake begann das Studium des Vermessungswesens an der Technischen Hochschule Hannover im Winter-Semester 1945/46 und schloss dieses bereits 1949 mit der Diplomprüfung ab. Als externer Doktorand bei Professor Lehmann blieb er der Hochschule verbunden; 1954 wurde er mit einer Dissertation über ein kartographisch-photogrammetrisches Problem zum Dr.-lng. promoviert.

Die erste Phase seines beruflichen Lebensweges war durch verschiedene Tätigkeiten in der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung (NVuKV) geprägt, in deren Dienste er 1953 als Assessor des Vermessungswesens eintrat. Auf Tätigkeiten in verschiedenen Katasterämtern und beim Regierungspräsidenten in Hannover folgte die Versetzung in die Niedersächsische Landesvermessung, deren Dezernate Photogrammetrie und Neuvermessung er leitete. Von hier wurde er 1967 auf die 1963 geschaffene Professur für Topographie und Kartographie an der damaligen TH Hannover als Nachfolger von Prof. Heißler berufen.

In dieser Zeit vollzog sich, ausgelöst durch die aufkommende graphische Datenverarbeitung, ein bedeutender Umbruch in der Kartographie, der die Erweiterung ihrer theoretischen Grundlagen unter Berücksichtigung der Informations- und Kommunikationstheorie und der Zeichentheorie erforderte. Hieraus legte Prof. Dr. Günter Hake den Grundstein für sein Lebenswerk, indem er das neue Wissensgebiete für die Kartographie grundsätzlich erschloss und damit die Weiterentwicklung der Kartographie als eigenständige Wissenschaft entscheidend förderte. Dabei gelang es ihm, die unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Geodäsie und Geographie zu integrieren. In Anerkennung dieser Leistung wurde ihm 1987 von der Ruhr-Universität Bochum die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h.c.) verliehen.

Als Hochschullehrer etablierte Günter Hake die Lehre seiner Fachgebiete in den Studiengängen Vermessungswesen, Geographie und Landespflege. Von seinen didaktischen Fähigkeiten haben nicht nur viele Studierende der Universität Hannover, sondern auch der Freien Universität Berlin (Wintersemester 1973/74) und der Universität Zagreb (1975) profitiert. Die unter seiner wissenschaftlichen Leitung durchgeführten Forschungsarbeiten brachten grundlegende Erkenntnisse auf den Gebieten der digitalen Erfassung und Darstellung der Topographie von Land- und Wattflächen, der automatisierten Herstellung topographischer Grundkarten, der rechnergestützten Generalisierung topographischer Kartenobjekte, der Luftbild- und Planungskartographie und der theoretischen Kartographie.

In der akademischen Selbstverwaltung übernahm Günter Hake Aufgaben als Dekan der Fakultät für Bauwesen (1971/72), als Mitglied der Engeren Abteilung und des Fachbereichs für Bauingenieur- und Vermessungswesen sowie als Mitglied des Konzils und zeitweise anderer Kommissionen.

Der zielstrebig betriebene Ausbau des Lehrstuhls zu einer leistungsfähigen Stätte der Forschung und Lehre führte schließlich 1982 zur Gründung des Instituts für Kartographie der Universität Hannover, das Günter Hake bis zu seiner Pensionierung 1984 leitete. Durch den viel zu frühen Tod seines Nachfolgers Werner Lichtner im Jahre 1989 sah er sich jedoch erneut verpflichtet, seinem Institut zur Seite zu stehen. Erst nach der Wiederbesetzung der Professur im Jahre 1991 konnte er sich wieder intensiv der Neubearbeitung des Lehrbuchs "Kartographie" im Verlag de Gruyter, seinem Lebenswerk, gemeinsam mit Prof. Dietmar Grünreich widmen.

Prof. Günter Hake war auch ein geschätztes Mitglied vieler beruflicher und fachwissen-schaftlicher Vereinigungen, wie der Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 1967), der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (seit 1978), der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (seit 1982), des Deutschen Vereins für Vermessungswesen, der Deutsche Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung, der Geographischen Gesellschaft zu Hannover, deren Zweiter Vorsitzender er von 1970 bis 1992 war, und nicht zuletzt der Deutschen Gesellschaft für Kartographie (DGfK), deren Ortsverein Hannover er von 1972 bis 1975 leitete.

Günter Hake verstarb am 29. April 2000.

Zusammengestellt nach Beiträgen aus den Kartographischen Nachrichten, insbesondere Grünreich, KN 4/2000, S.181-182

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1993 Jaques Bertin
2004 Ulrich Freitag
2004 Ingrid Kretschmer
2009 Mark Monmonier
2013 Ernst Spiess
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